Folgend wird chronologisch die Beteiligung des Welser-Handelhauses am Kolonialimus und Versklavungshandel dargestellt.

1420er / 1490er / 1500er / 1520er / 1530er / 1540er / 1550er

1420er

1420: Gründung der ersten Welserschen Handelsgesellschaft in Augsburg

1490er

1498: Gemeinsam mit dem Handelshaus Vöhlin gründen die Welser die Welser-Vöhlin-Gesellschaft. Das Unternehmen verdient sein Geld mit dem Handel von Textilstoffen, im Bergbau, Seehandel, dem Reedereigeschäft und dem Geldverleih.


Im Auftrag der spanischen Krone erreicht Christopher Kolumbus dritte Kolonialfahrt das Gebiet, das fortan von den Kolonisator_innen als Venezuela bezeichnet wird.


1499 begleiten Vertreter der Welser und Fugger Pedro Alvarez Cabral, der mit 13 Schiffen Afrika zu umsegeln versucht, statt des „Fernen Ostens“ jedoch das heutige Brasilien erreicht und es für die portugiesische Krone annektiert.

1500er

1503: In Antwerpen wird eine Faktorei gegründet, die als Ausgangspunkt zur Beteiligung am Export von Fertigwaren nach Spanien und von dort aus weiter nach Amerika bestimmt sind.


1505: Die Welser sind an der Ausstattung einer Handelsflotte Portugals nach Ostindien, die die örtlichen Gewürzmärkte erschließen soll, mit 20 000 Dukaten beteiligt. Neben ihnen sind an dieser Kolonialreise auch die Fugger und andere deutsche und italienische geldgebende Kaufleute beteiligt, die Welser finanzieren jedoch mit Abstand den größten Anteil. Nach dieser Kolonialreise beginnt Nürnbergs Aufstieg als Stadt des Gewürzhandels und die Welser spezialisieren sich auf den Handel mit Safran.


1503-1509: Über die Verbindung zum portugiesischen Gewürzhandel steigen die Welser in das Zuckergeschäft mit ein: Sie haben Niederlassungen auf Madeira und auf den Kanaren, von denen aus sie ihren Handel betreiben und an der Produktion beteiligt sind, denn sie sind auch im Besitz einer Zuckermühle. Gerade auf der Insel Madeira wird der Zuckerrohranbau durch die Zwangsarbeit von verschleppten versklavten Personen verrichtet.

1510er

1517: Die Welser-Vöhlin-Gesellschaft löst sich auf und die Augsburger und Nürnberger Welser Handelsgesellschaft, die ihr Geld vornehmlich im Kupfer-, Zinn- und Silbergeschäft, sowie mit dem Handel von Safran verdient, wird gegründet.


1519: Die Welser beteiligen sich, wie auch die Fugger, an der Finanzierung der Wahl des spanischen Habsburgers Karl zum deutschen Kaiser Karl V.


1520er

1523: Finanzielle Beteiligung an der Kolonialfahrt des Garcia de Loaysa im Auftrag der spanischen Krone, auf der versucht wird den Seeweg zu den Gewürzinseln über den Atlantik und Pazifik durch Umrundung der Südspitze von Abya Yala (nach Kolonisation: Südamerika) zu finden.


1525: Der annektierte Markt in Abya Yala wird durch den spanischen König Karl V. auch für nicht-kastilische Bewohner_innen zugänglich gemacht, da er sehr interessiert ist „einer zügigen Erschließung und finanziellen Nutzbarmachung seiner Neuen Welt“ (Häberlein/ Burkhardt 2002: 289). Gleichzeitig wird in Sevilla eine Faktorei als Handelsmonopolhafen für Amerika eingerichtet. Von da aus folgen Vertreter der Welser den Spaniern in das heutige Haiti, welches das politische Zentrum und Handelszentrum des neu annektierten Gebietes und Marktes für den direkten von Abya Yala ausgehenden Handel ist, und gründen eine weitere Faktorei. Hier beginnen sie mit dem Anbau von Zuckerrohr und der Produktion von Zucker, dem ersten kolonialen Massenprodukt der Weltwirtschaft.


1528: Kaiser Karl V. Überlässt Bartholomäus V. Welser in einem Generalvertrag im Gegenzug für eine ihm gewährte Anleihe die Statthalterschaft über das von Spanien annektierte Gebiet, welches von Kolonisator_innen als Klein-Venedig bzw. Venezuela bezeichnet wurde/wird. Mit Hilfe dieses Vertrages will Karl V. die Kolonien schnell, brutal und kostenlos in Besitz nehmen und ausbeuten. Die Welser finanzieren die Schiffsflotte, deren Besatzungen und Ausrüstungen und erhalten dafür Venezuela befristet als Lehen. Der Vertrag beinhaltet auch die Verschleppung von 4000 afrikanischen versklavten Menschen nach Abya Yala, der Gewinn soll 80.000 Dukaten betragen haben (vgl. Großhaupt 1990: 17). Die Verträge bringen den Welsern viele Vorteile, wie z. B. Steuererleichterungen und Vergünstigungen und das Monopol für die Verschleppung und Einfuhr von versklavten Personen aus Afrika ohne sogenannte Verkaufs- oder Einfuhrabgaben und Exportprivilegien. Von Beginn an Priorität hat jedoch die Suche nach Gold und damit die Ausrüstung und Finanzierung von Kolonialreisen. Des Weiteren bedeutet die Kolonialgründung für die Welser die Schaffung eines sicheren Stützpunktes für ihren von Abya Yala ausgehenden globalen Handel.


Ab 1529: Statthalter und Feldhauptleute beginnen mit einer Reihe von Expeditionen ins ihnen unbekannte Landesinnere, sind jedoch weniger an der Erschließung des Landes, als vielmehr an der Erbeutung von Edelmetallen interessiert. Georg Hohermuth von Speyer, Philip von Hutten und Nikolaus Federmann werden in Venezuela für die Welser als Agenten beim Handel mit versklavten Personen tätig. First Nations werden verschleppt, versklavt, gezwungen Trägerdienste auf den Kolonialreisen zu leisten oder verkauft. Der Verkaufserlös fliesst in die Kolonialreisen. Der erste deutsche Statthalter von Venezuela, Ambrosius Ehinger, „versteigerte [.] [First Nations People, die] Kriegsgefangene [waren,] auf öffentlichen Märkten und handelte mit [.] [Schwarz positionierten versklavten Personen]. Das tat seiner Ehre keinen Abbruch.“ (Mamozai 1989: 12).


1529-1538: Die Welser-Gesellschaft verschleppt 1005 versklavte First Nations und verkauft diese außerhalb Venezuelas (vgl. Denzer 2002: 304). Bis 1536 sind die Welser durch ihre Handels- und Expeditionsschiffe Teil des frühen ‚Dreieckhandels‘; in dieser Zeit unternehmen sie 45 Transporte von versklavten Personen. Von etwa 1530 bis 1556 versuchen sie in Venezuela, selbst in der Plantagenwirtschaft tätig zu sein.

Ofuatey-Alazard schreibt zum Begriff des ‚Dreieckshandels‘: „Angemessen und neutral ist dieser Terminus [..] nicht: Zum einen reiht er [..] [versklavte Personen] in eine Verwertungkette mit ‚anderen Waren‘ ein und bedient damit nicht nur die verachtende Logik der Kommodifizierung von Menschen, sondern verschleiert zugleich die prozessualen Ausmaße von Versklavung und deren rassistische Grundlage“ (Ofuatey-Alazard 2015a: 112).

1530er

1529/30 : Nikolaus Federmann bringt Siedler_innen und Bergleute von Sevilla nach Coro in Venezuela, um die Kolonialsiedlungen auszubauen. Am 30. Juli 1530 erhält er von den Welsern die Vollmacht über Venezuela.


1531: Zusehends verschlechtert sich die Versorgungssituation in Venezuela, das Einfuhrmonopol der Welser entpuppt sich als Verlustgeschäft und wird schlussendlich mittels königlichen Erlasses aufgehoben. Die Kolonie erwirtschaftet lediglich ein Drittel des Wertes der importierten Güter, zu den Einnahmen gehören auch die Erträge aus dem Handel mit versklavten Menschen. Trotz der schlechten wirtschaftlichen Lage schliesst der Welserfaktor Christoph Heslin mit der Krone ein Abkommen, welches der Welserschen Gesellschaft die Fortführung des Handels mit versklavten Menschen für die nächsten 4 Jahre gewährt (vgl. Kellenbenz: 394).


1535: Philipp von Hutten nimmt als Hauptmann der Welser-Kompanie von 1535 bis 1538 an einer von dem neuen Gouverneur Venezuelas Georg Hohermuth von Speyer geführten Kolonialreise der Welser-Gesellschaft ins Landesinnere Venezuelas teil, um dort nach Gold zu suchen. Schon seit dem 11. Jh. ist die Beschaffung von Gold als Zirkulationsmittel/ Währung für den Außenhandel relevant.


1536: Jeglicher Im- und Exporthandel mit Venezuela wird von den Welsern liquidiert und die Faktorei in Santo Domingo, die in ihrer Tätigkeit eng mit dem venezolanischen Unternehmen verbunden ist, wird als Handelsstützpunkt aufgegeben.


Im gleichen Jahr unternimmt Federmann eine zweite Expedition auf der Suche nach dem sagenhaften „El Dorado“. Dabei entsteht durch seine Annektierung die Stadt Riohacha in Kolumbien und mit dem Zutun des spanischen Kolonialisten Jimènez de Quesada die spätere Hauptstadt Bogotà auf der Chibchahochebene. Zur Klärung der Besitzansprüche reisen die beiden nach Spanien, dort wird Federmann im Auftrag der Welser wegen Vertrags- und Vertrauensbruch verhaftet und stirbt 1542 im Gefängnis.

1540er

Ende 1540er: Von Hutten wird von Karl V. zum militärischen Oberbefehlshaber der von den Welsern verwalteten spanischen Kolonie Venezuela ernannt. Auf dem Rückweg von einer zweiten Kolonialreise, die Hutten zwischen 1541 und 1546 zusammen mit Bartholomäus Welser anführt, lässt sein spanischer Rivale Juan de Carvajal ihn und Welser ermorden. De Carvajal verlegt 1545 die Siedlung Coro als Hauptstadt Venezuelas ohne königliche oder welsische Erlaubnis ins Tal von Barquisimeto, so kommt es zur Gründung der Siedlung ‚El Tocuyo‘, womit sich De Carvajal selsbt zum Gouverneur von Venezuela macht.

1550er

Bis 1554 beuten die Welser die Bodenschätze an der venezolanischen Küste aus. Die Ermordung Philipp von Huttens und Bartholomäus Welsers bei der Expedition ins Innere des Landes führt zum Zusammenbruch der Welserherrschaft in Venezuela. Mit dem Rücktritt Karls V. im Jahr 1556 gehen die Handelsrechte verloren und es kommt zur formalen Aberkennung der Provinz. Der spanische Staatsbankrott setzt den Welsern außerdem noch schlimmer zu als den Fuggern.

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