1367-1409 / 1455 -1499 / 1500er / 1600er / 1890er

Folgend wird chronologisch die Beteiligung des Fugger-Handelhauses am Kolonialimus und Versklavungshandel dargestellt.

1367-1409

1367: Die Fugger finden als Webermeister_innen erstmals Erwähnung im Augsburger Steuerbuch, während sie ebenso mit den Tüchern Handel betreiben. So wird die Grundlage des  Familienvermögens vorwiegend durch den Baumwollhandel geschaffen. Früh nutzen sie das steigende Lohngefälle zwischen Stadt und Land, welches durch die Umwandlung von Arbeit in Lohnarbeit zur Zeit der Feudalherrschaft entstand, für ihr Verlagsgeschäft.


Viele Textilunternehmer_innen, so auch die Fugger, praktizieren ein derartiges Verlagssystem. Dabei fungieren sie als sogenannte ‚Fernkaufleute‘, die durch ihre Kenntnisse über entfernte Märkte und Handelsrouten auch große Warenmengen in anderen Städten und Ländern zum Verkauf bringen können. Die Kenntnisse erhalten die Kaufleute durch die Kolonialreisen von Europäer_innen, die erst die Voraussetzungen für das Entstehen eines frühmodernen Welthandels schaffen. So wird mit Handwerker_innen eine Produktlieferung ausgehandelt und aus ehemals selbstständigen Meister_innen werden von den Verlegenden abhängige Produzierende, die für ihre Arbeit bezahlt werden. Hier hat die kapitalistische Lohnarbeit ihren Ursprung. Neben dem Verlagswesen entwickeln sich auch Bank-, Kredit- und Versicherungsunternehmen, so entsteht eine am Markt orientierte Wirtschaftsstruktur.

1455 -1499

Unter neuer Leitung von Jakob d. A. wächst das Kapital der Firma der Linie Fugger von der Lilie. Bereits 1473 entstehen mit Ausbreitung des Handels Fugger’sche Faktoreien im europäischen Großraum, z. B. in Venedig.


1491: Die Fugger gewähren dem Habsburger König Maximilian I. erste Darlehen zur Finanzierung von Hofhaltungen und Feldzügen. Damit beginnt eine lang anhaltende geschäftliche Beziehung zwischen den beiden Familien, in der die Fugger z. B. die Wahl von Karl dem V. zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches mit Wahlgeldern finanzieren.


1499: Vertreter der Augsburger Handelshäuser Fugger und Welser begleiten Pedro Alvarez Cabral, der mit 13 Schiffen Afrika zu umsegeln versucht, statt des „Fernen Ostens“ jedoch das heutige Brasilien erreicht und es für die portugiesische Krone annektiert. Als er schließlich an seinem eigentlichen Ziel Calicut in Indien angelangt, nimmt er nicht nur eine reiche Gewürzladung an Bord seiner Schiffe, sondern eröffnet auch mit einem brutalen Bombardement den portugiesischen Vernichtungsfeldzug gegen den arabischen Gewürzhandel im Indischen Ozean.

1500er

Nachdem der Portugiese Vasco da Gama 1498 die Kolonialseefahrt über die Afrikaroute um das Kap der Guten Hoffnung nach Indien unternimmt, damit für den definitiven Startschuss des europäischen Kolonialismus sorgt und das portugiesische Gewürzmonopol ermöglicht, beteiligen sich die Fugger am Handel mit Gewürzen und eröffnen 1503 eine Faktorei in Lissabon, von der aus sie mit Pfeffer, sonstigen Gewürzen und Luxuswaren wie Perlen und Edelsteinen handeln. Somit steigen sie in diesem Jahr in die kolonialistische Ausbeutung Indiens ein.


Der Seeweg zum indischen Subkontinent und zu den Gewürzinseln Hinterindiens (Molukken), daher auch Gewürzroute genannt, tritt neben die bisherigen Handelswege, vor allem den Seehandel von Indischem Ozean, Rotem Meer und Mittelmeer einerseits, sowie den Karawanenwegen durch Asien andererseits. Die Portugiesen schalten damit den Zwischenhandel von indischen, persischen, arabischen, türkischen und venezianischen Kaufleuten aus. Zusammen mit den hohen Zöllen, die das Osmanische Reich erhebt, hat dieser Zwischenhandel die Gewürze in Europa extrem verteuert. Das Brechen des Handelsmonopols der Venezianer, Türken und Araber im Gewürzhandel macht die Gewürze in Europa erschwinglicher und lässt Nachfrage und Angebot steigen, was zum Antrieb für die koloniale Expansion Europas in den folgenden Jahrhunderten wird.


Ab 1505: Die Fugger legen Kapital in das von den Welsern geführte Unternehmen zur Ausrüstung einer Kolonialflotte nach Ostindien an. Die Verantwortung liegt bei Portugal und Spanien, doch die Handelsgüter und das Kapital liefern allen voran die Fugger, die Welser und andere Familien.

1510er

1510: Nach dem frühen Versterben seiner Brüder wird Jakob d. J. zum alleinigen Unternehmer. Als solcher ermöglicht und verwaltet er ab 1513 das Geschäft des Ablaßhandels der Kirche. Doch schon bereits ab 1495 haben die Fugger Geschäftsbeziehungen zur Kurie und reiche Kirchenmänner* können ihr Geld anlegen, indem sie es gegen Zinsen in das Unternehmen investieren. So kommt Fugger zu dem Namen „Bankier der Päpste“, was seinen Einfluss nicht unerheblich weiter vergrößert.


1519: Die Fugger finanzieren die sogenannte erste Weltumseglung von Magellan, die von Karl V. in Auftrag gegeben wird und zu einer Westroute nach Indien führen soll, mit. 1521 bringen philippinische Widerstandskämpfer_innen den kolonisierenden und missionierenden Magellan um, ein überlebender Rest der Schiffsmannschaft kehrt jedoch 1522 nach Spanien zurück. Zu der Mannschaft der ersten Weltumseglung gehört ein versklavter Mann aus Sumatra, den Magellan 1511 in Malakka in Besitz nimmt und ihn Enrique Melaka fremdbenennt. 1519 muss dieser Magellans Kolonialfahrt als Dolmetscher begleiten. Als Magellan 1521 auf den Philippinen ums Leben kommt, gelingt Melaka, mit Hilfe des Königs von Cebu die Flucht.

1520er

1524: Die Fugger pachten zum ersten Mal die Einkünfte der spanischen Krone aus den drei spanischen Ritterorden („Maestrazgos“) für die Jahre 1525-27. Diese Pacht behalten die Fugger mit mehreren Unterbrechungen über ein Jahrhundert lang; sie bildet die Hauptgrundlage ihrer enormen spanischen Geschäfte. Trotzdem können die Fugger der Regierung Spaniens dank ihrer guten Stellung den Vorschlag machen, in Abya Yala(seit Kolonisation: Südamerika) mit eigenen Mitteln als „Eroberer“ bzw. gewaltvolle Kolonisatoren aufzutreten. Sie wollen die Kolonisation der Westküste versuchen, was jedoch nicht zustande kommt, da ihnen ein spanisches Unternehmen zuvorkommt.


Ab 1525: Ausdehnung der Kreditgeschäfte mit Kaiser Karl und Pacht spanischer Rittergüter, zu denen die Zinnober- und Quecksilbergruben im spanischen Almadén (Kastilien-Spanien) gehören. Kreditgeschäfte sind von Beginn an Bestandteil des Kapitalismus‘ der Kaufleute. Die Fugger spezialisieren sich auf dieses Metier und sind somit nicht nur als Großkaufleute und Einzelunternehmer im Warenhandel und Bergbauunternehmen, sondern auch als Großbankiers tätig, die das traditionelle kirchliche Zinsverbot ignorieren. 1525 stirbt jedoch Jakob d. J. und sein Neffe Anton übernimmt die Leitung.

1530er

1530 -1536: Die Fugger wollen bis zu 300 versklavte Menschen (davon ein Drittel Frauen*, zwei Drittel Männer*) als Zwangsarbeiter_innen nach Abya Yala bringen, was zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht stattfindet. Tatsächlich taucht der Name Fugger jedoch in den Archiven im Kontext von Verhandlungen über den Transport von 4000 versklavten Menschen 1536 auf. In Santo Domingo wird eine Fuggersche Niederlassung errichtet, wo ihnen vermutlich die Kontrolle über die Transporte von versklavten Menschen übertragen wird. Die Quellenlage ist jedoch gerade in Hinblick auf die Zahlen versklavter Menschen uneindeutig, welche wohl eher nach oben korrigiert werden müssten. (vgl. Kellenbenz 1990: 394)

1540er

1540er: Mitte der 40er Jahre ist der historische Höchststand des Fuggerschen Gesellschaftsvermögens erreicht. Zu den Kreditnehmern gehören neben Kaiser Karl V. auch der König von England, von Böhmen sowie die Könige von Portugal und Dänemark, die zur Sicherheit der Kredite den Fuggern z. B. die Rechte an der Ausbeutung von Silber- und Kupferbergwerken übertragen

1550er

1550: Die Fuggersche Verwaltung versklavt einen Mann*, um ihn in Sevilla zu verkaufen.


Spätestens ab 1550 versucht Anton Fugger, den Handel zu liquidieren, um der königlichen Verschwendungswut entgegenzuwirken. Doch die diversen Kredite, die Kaiser Karl V. für die Kriegsführung und Niederschlagung von Aufständen erhält, sowie immer weitere Kreditforderungen der spanischen Krone sorgen für deren zunehmende Verschuldung, zumal sie ihre Rückzahlungen mit immer neuen Kreditforderungen verbinden. So müssen die spanischen Habsburger in den Jahren 1557 und 1575 gleich zweimal den Staatsbankrott erklären, was die Fugger jedoch nicht so hart trifft wie andere Banken.


Die Fugger bedienen sich der Methode der doppelten Buchführung nach Soll und Haben, welche die Geschäftsvorgänge transparent macht und Geld- und Warenbestände ausweist, sowie Zahlungsverpflichtungen und Außenstände geordnet aussehen lässt. Doch selbst diese rationale Geschäftspraxis schützt nicht völlig vor den Risiken des Geldverleihs. Manchmal sind nämlich hohe Kredite, besonders die an Territorialherren oder den Kaiser, nicht mehr einzutreiben, sodass die Gefahr des Bankrotts droht.

1560er

1560-1564: Anton Fugger stirbt. Sein Neffe und sein Sohn übernehmen die Geschäftsleitung. 1564 scheidet der Neffe wegen privater Zahlungsunfähigkeit aus der Fuggerfirma aus, danach führt der Sohn die Firma als Gesellschaft „Marx Fugger und Gebrüder“ fort.

1600er

1647-1658: Die Fugger beenden die Pacht für den Quecksilber- und Zinnoberabbau in Spanien. Graf Leopold Fugger gibt 1657 Bergwerksanteile der Familie Fugger an Tiroler Landesherrn zurück. Damit ist die Fuggerfirma erloschen, der Reichtum bleibt in verschiedenen Formen dennoch bestehen. Mitglieder der Familie Fugger sind inzwischen als Räte, Offiziere oder im geistlichen Stand erfolgreich. In den folgenden Jahrhunderten üben viele Fugger hohe Ämter an den Höfen oder in der Verwaltung aus. Eine Rolle spielen auch das Mäzenatentum in Musik, Kunst und Literatur sowie die Bewahrung und Pflege der Familiensitze und Schlösser.

1890er

1895-1902: Ein Familienmitglied der Fugger, Joseph Max Karl Maria Graf Fugger von Glött, wird 1895 von der Kolonialarmee für die heutigen Gebiete Tansania (ohne Sansibar), Ruanda, Burundi und Teile von Mosambik angestellt. Im November 1898 tritt er in bayerische Militärdienste zurück, um im März 1899 zum Oberleutnant befördert zu werden. Ende November desselben Jahres wechselt er erneut zur Kolonialarmee und wird im Juni 1902 zur nach Kamerun versetzt, wo er Resident der neu geschaffenen Residentur Adamaua wird.